Der Tag wird zur Nacht – Kapitel 3

Auf der Hauptstraße wandte sie sich nach Norden. Elvira lief einige Zeit an Wohnhäusern, Backstuben und kleinen Läden für Allerlei vorbei, um im Handumdrehen auf den Marktplatz zu kommen, welcher die Metropole der Stadt bildete. „Guten Morgen, Madame.“ Die Brotverkäuferin Amanda nickte ihr zu. Elvira und sie kannten sich seit ihrer Kindheit, doch Elvira hatte hinauf geheiratet, also verlangte das Gesetz, dass die Anrede geändert wurde. Elvira brach es jedes einzelne Mal das Herz, ihre Kinderfreundin in verdreckten Klamotten auf dem Markt zu sehen, in der Hoffnung heute etwas mehr Brot verkaufen zu können als gestern. Sie steckte ihr jedes Mal extra ein paar mehr Münzen zu, doch irgendwie schien es für Amandas Familie nicht auszureichen, bei der drei Kindermäuler gestopft werden mussten. „Hallo Amanda, ich hätte gerne ein ganzes Laib, das vielleicht ein paar Tage länger frisch bleibt, als normales Brot.“ Amanda lächelte. „Macht Ihr wieder eine Reise?“ Elvira nickte und lächelte ihr zurück. „Könntest du vielleicht so lieb sein und es luftdicht verpacken? Und dann hätte ich noch gerne etwas Schwarzbrot.“ „Das wird aber, wenn es zu lange an der frischen Luft ist, etwas trocken.“, warnte Amanda sie, welche ihre Freundin kannte und wusste, dass Elviras Reisen nicht nur ein oder zwei Tage anhielten. „Das wird schon gehen.“ Elvira gab ihr einen Kupfertaler, steckte ihr eine große silberne Münze zu und nahm das Brot entgegen. „Amanda, weißt du, ob Tonan da ist, ich brauche auch noch ein wenig Käse.“ „Trocken Brot ist auf Dauer etwas zu langweilig?“ Sie verzog ihre Lippen wieder zu einem Lächeln. Elvira nickte und schaute sie weiter abwartend an. „Er hat heute den dritten Stand in der vierten Reihe.“ Amanda deutete nach hinten. „Danke.“ Elvira steckte das Brot in eine Tasche ihres Umhangs, verabschiedete sich von Amanda mit einer kurzen Umarmung über den Verkaufstisch hinweg und begab sich zu Tonans nach Käse und Fleisch duftenden Stand. „Madame Elvira.“ Er nickte der Brünetten zu. „Was darf es denn heute sein?“ „Ein Viertel Laib Käse aus Guìltenford bitte.“ „Ihr brecht auf?“, fragte Tonan verwundert. Auch er kannte Elviras Reisegewohnheiten und da das Fußvolk bisher noch nichts über den Diebstahl erfahren hatte, beugte sich Elvira vor und erklärte ihm den Grund. Ihre Vertrautheit beruhte einer anderen Basis, als bei derer mit Amanda. Elvira kam es manchmal so vor, als teilten Tonan und sie ein Schicksal. „Sie dir diesen Artikel an.“ Sie zog erneut die Zeitung aus ihrem Mantel und blätterte herum, auf der Suche nach der Seite. „Bitte sehr. Ein Einbruch.“ Tonans Blick huschte über die Zeilen und auch sein Blick verdüsterte sich, ähnlich wie der Marlecs. „Meinst du, es waren die Dokumente, die wir damals aus Fallenhaven geholt haben?“ Elvira nickte. „Es kann sich um keine Anderen handeln. Die Königin will sie wieder zurück. Sie hat Angst um ihr Volk. Anders lässt sich der Einbruch nicht erklären.“ „Und was willst du nun unternehmen?“ Tonans Stimme hatte sich so weit gesenkt, dass Elvira sich näher zu ihm über den Karren mit den Lebensmitteln beugen musste, um ihn zu verstehen. „Ich werde nach dem Dieb suchen. Es gibt Gründe, weshalb diese Schrift in unserem Besitz war und nicht in dem der Königin.“ „Da hast du Recht.“, gab Tonan zu. „Befasst sich Arthur nicht damit?“ „Doch.“, seufzte Elvira. „Aber ich glaube nicht, dass er mit dem Inhalt dieser Dokumente vertraut ist. Darüber weiß nicht einmal der König bescheid.“ Tonan nickte nachdenklich, während er automatisch Elviras Bestellung einpackte. Dann reichte er ihr den Käse und wollte der in Schwarz gekleideten Frau auch noch die Zeitung reichen, doch sie lehnte ab. „Behalte sie und passe auf dich auf.“ Elvira steckte den Käse ein und reichte Tonan im Tausch dafür zwei daumennagelgroße Silbermünzen. „Pass bitte auf dich auf.“, verdeutlichte Tonan nochmal. „Diese Stadt weiß es vielleicht nicht, aber sie braucht dich.“ Elvira grinste, zog die Kapuze auf und verschwand in der Menschenmenge.

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3 Gedanken zu “Der Tag wird zur Nacht – Kapitel 3

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