Ignoranz & Aufmerksamkeit 2.0

Alles ist still um ihn herum. Er schaut aus dem Fenster und sieht Autos auf der grauen Hauptstraße vorbeifahren. Die Fahrer sehen nicht die wunderschöne Landschaft, die sie DSCF1716verschmutzen. Sie sehen nicht die vielen Kinder, die auf dem Bürgersteig mit bunter Kreide Hüpfekästchen aufzeichnen. Die Kleinen schauen den vielen Wagen hinterher, ohne zu wissen, was für einen Schaden diese anrichten. Dann malen sie farbenfrohe Autos auf die Pflastersteine. Nach einer Weile ziehen die kleinen Kinder sich zurück in die Häuser, denn die Erwachsenen haben Feierabend. Sie laufen in Anzug und Aktentasche über die Kunst, sie nehmen sie nicht wahr, sehen nicht die Farben, welche diese ausmacht. Eine Frau bleibt einen Moment stehen und schaut nach unten. Sie betrachtet das Auto, lächelt kurz, steigt dann über dies hinweg und läuft zu ihrem eigenen PKW, in den sie einsteigt, ihn anlässt und losfährt. Nach zwei Minuten im Stau hat sie das kleine Kunstwerk vergessen. Die Dämmerung zieht über die Stadt und Wolken stehen am Himmel. Die Kinder werden von ihren Eltern nach dem Abendessen ins Bett gebracht, diese erzählen ihnen eine kleine Geschichte. Dann beugen sie sich vor, küssen ihren Nachwuchs auf die Stirn, schalten das Licht aus und schließen die Tür. Eine Weile liegt die Nachkommenschaft noch wach, doch dann schlafen sie während des andauernden Geräuschs der Regentropfen auf der Fensterscheibe ein. Der Regen spült die liebevollen Kreidegemälde fort. Diese fließen in flüssiger Form in die Kloake, und die Eltern, die am Abend zuvor erst spät nach Hause gekommen sind, können die Werke nicht mehr bewundern.

Er steht im Badezimmer vor dem Spiegel und schaut sich an. Seine grünen Augen blitzen ihn an und die braunen Haare stehen verstrubbelt in alle Richtungen ab. Er rückt sich den Hemdkragen zurecht und tritt einen Schritt zurück, um zu überprüfen, ob alles zueinander passt. Dann verlässt er den Raum und greift nach seinem blauen, schweren Rucksack. Er verabschiedet sich von seinen Eltern und bummelt aus dem Haus. Langsam läuft er die Straße hinunter zur Haltestelle. Auf dem Asphalt, in den Schlaglöchern hat sich Wasser von dem Regenguss am Abend angesammelt. Er bleibt an einer Laterne stehen und betrachtet ein in eine Klarsichthülle eingepacktes Weggelaufen-Schild mit dem Bild eines kleinen Hundes. Hört auf den Namen Janu. Bei irgendwelchen Hinweisen bitte diese Nummer anrufen: 0734 ********. Der große Bus hält laut quietschend an der zehn Meter entfernten Haltestelle. Er beginnt zu rennen. Wie jeden Morgen. Dann steigt er in den Bus. Er setzt sich auf seinen Stammplatz hinter den Fahrer, stellt seinen DSCF1631Rucksack zwischen seine Füße und schaut aus dem Fenster. Das Fahrzeug fährt an einigen Weiden vorbei, auf denen Kühe und Schafe friedlich vor sich hin grasen. Er schaut sich im Bus um. Einige Schüler schlafen, an die Scheibe gelehnt, andere tippen auf ihren Handys herum oder tragen Kopfhörer. Ein kleines Mädchen sitzt in der hinteren Reihe und liest ein Buch. – Er wendet sich von den Leuten ab und holt sein Handy aus dem Rucksack.

 

Ich habe meinen Text Ignoranz & Aufmerksamkeit überarbeitet (vor allem an den Details). Ich hoffe, er ist jetzt besser verständlich ;).

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