Der Tag wird zur Nacht – Kapitel 4

Elvira kannte jede einzelne gepflasterte Gasse und Straße Gurdìals und auch die Umgebung kannte sie von ihrem früheren Leben her ziemlich gut. Sie wandte sich nach links, an der Ecke, neben einer gut duftenden Bäckerei, lag eine Weberei. Im Ladenfenster hingen Teppiche, einige waren mit Goldrändern geschmückt, andere waren mit Stickereien verziert. Die große Brünette schob die Teppiche zur Seite und trat ein, in den mit Weihrauch verhangenen Laden. „Guten Tag.“, begrüßte eine rauchige Stimme Elvira. Eine kleine Frau mit langen grauen Haaren, kleidet in einem lilafarbigen, sackartigen Kleid stand von einem Webstuhl auf und reichte Elvira die Hand zum Gruß. „Was kann ich für Euch tun, meine schöne Frau?“ Die Frau wedelte mit den Händen und deutete auf die vielen Webereien. „Ich bin nicht an den Teppichen interessiert.“ Elvira nahm eine große Kupfermünze aus ihrem Mantel. Die alte Frau betrachtete sie interessiert. „Gut, kommen Sie mit.“ Die hochgewachsene Brünette folgte einem Silbervorhang aus Haaren in ein kleines Hinterzimmer. Die Kammer wurde nur von zwei Kerzen beleuchtet. „Sie müssen den Tisch zur Seite ziehen und dann die Falltür hochheben. Schaffen Sie das alleine?“ „Ich denke schon.“, sagte Elvira und auf diese Worte hin, verschwand die ältere Frau wieder ins Vorderzimmer. Elvira schob den Tisch zur Seite und dann stemmte sie das schwere Holz hoch. In dem dunklen Loch kamen im diffusen Licht einige Steintreppen zum Vorschein. Die Braunhaarige schnappte sich eine der Kerzen, die im Zimmer verteilt standen. Dann setzte sie sich die Kapuze auf, um den ersten Schritt auf die Stufen zu setzen. Beinahe rutschte sie aus, doch Elvira fing sich wieder und nahm vorsichtig die zweite rutschige Stufe nach unten. Sie hatte beinahe von früher vergessen, wie glitschig die Treppen waren. Weit entfernt hallten Stimmen fremder Menschen durch die regennassen Gänge. Elvira lief vorsichtig geradeaus. Der Schein der Kerze reichte nicht aus, um mehr als einen Meter voraus zu scheinen. Elvira tastete sich an der schleimig anfühlenden Wänden entlang, um nicht zu stürzen. „Uähh.“, wisperte sie angeekelt und schlich weiter durch die engen Gänge. „Hallo, ist da jemand?“, rief eine tiefe Stimme, ganz in der Nähe von Elvira. Sie erkannte die Stimme – es war ein Mann aus ihrer Vergangenheit, den sie eigentlich glaubte, nie wieder sehen oder hören zu müssen. „Pscht, nicht so laut.“, flüsterte Elvira in seine Richtung. Sie hatte schon damit gerechnet, dass er bei diesen Nachrichten auf sie wartete. Sie tauchte immer auf, wenn etwas Gravierendes passierte. „Wo hast du deine Intelligenz gelassen?“ Er schnaubte. „Wie soll man dich im Moment nennen?“, murmelte Elvira und schlich vorsichtig in seine Richtung. „Côle. Und jetzt komm mit.“ Côle führte sie um zwei Ecken, aber dann beugte sie sich misstrauisch vor: „Woher wusstest du, dass ich hier sein würde?“ Côle ließ ein leises Lachen von sich hören. „Ich kenne Tonan länger als du. Und nur weil du ihm einmal eine Nacht geschenkt hast, heißt das nicht, dass er seine ältesten und besten Freunde vergisst.“ Tonan, Côle und sie waren die Unzertrennlichen in der Vergangenheit. Viel Gefährliches war ihnen widerfahren und das hatte sie zusammen geschweißt. „Das ist mir klar, aber wieso?“ Als Elvira eine Beziehung mit Tonan eingegangen war, blieb Côle skeptisch. Und er hatte Recht behalten, einige Monde später war die Beziehung am Ende und die Freundschaft zu Elvira brach von beiden Seiten ab. Sie konnten noch normal miteinander kommunizieren, sie vertrauten einander noch genauso wie früher, aber es war komisch geworden, wenn sie miteinander eine Aktion durchzogen. „Immer, wenn du auf Reisen gehst, ist etwas im Gange.“ Elvira blieb stehen und schaute Côle entsetzt an. „Du arbeitest immer noch für Ihn?“ Côle nickte, etwas beschämt. „Ich habe nur wegen Ihm meinen früheren Lebensstil aufgegeben.“ Elvira blickte Côle in die Augen und dann fragte sie direkt: „Was wurde dir aufgetragen?“

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