Der Tag wird zur Nacht – Kapitel 5

Elvira saß neben Côle in seinem kleinen trockenen Versteck unter der Stadt in den feuchten Tunneln. Die Gänge waren grob in den Stein gehauen und allein die kleine Ausbuchtung am Rand schützte die Beiden vor dem störenden Luftzug. „Sind die Schmuggler noch aktiv?“, fragte die Diplomatenfrau seufzend und verrenkte ihre Beine in einen Schneidersitz. „Ich habe schon seit zwei vollen Monden keine mehr gesehen. Meine Vermutung ist, dass sie ihre Taktik geändert haben, nachdem wir sie erwischten.“ „Gut möglich.“ Côte reichte Elvira etwas geräucherten Schinken aus seinem kleinen Lederbeutel, der an seinem Gürtel befestigt war. Ihr stieg der angenehme Duft von Fleisch und Gewürzen in die Nase und ihr Magen begann zu knurren. „Danke.“, murmelte sie und biss gierig in das große Stück. „Bist du alleine unterwegs oder wieder in einer Gruppe?“, fragte Elvira kauend weiter. „Siehst du hier irgendwo andere Leute?“ Côte zog seine buschigen Augenbrauen hoch und blitzte sie belustigt an. Elvira grinste spöttisch und riss sich noch ein weiteren Bissen von dem zähen Fleisch ab. „Immer wenn du alleine unterwegs bist, endet es in Chaos.“ „Deshalb habe ich ja dich aufsammelt.“ Elviras ehemaliger Kollege betrachtete sie einige Sekunden nachdenklich. „Hast du die letzten Jahre trainiert?“ „So weit es heimlich möglich war, ja.“ Die Brünette löste das Zopfband aus ihren Haaren, fuhr sich mit der Hand einmal hindurch und band sie dann erneut zu einem strengen Pferdeschwanz zusammen. „Gut genug um es mit mir aufzunehmen?“, fragte Côte weiter und spielte währenddessen mit einem kleinen Messer. „Immer doch.“, schnaubte Elvira, ihre Augen blitzten belustigt. „Das konnte ich auch, als wir noch miteinander gearbeitet haben.“ „Träum weiter.“ Côle lachte sie aus und biss in einen kleinen Apfel. „Wohin hast du eigentlich vor zu gehen?“, Elvira sah ihn aufmerksam an. „Erst zu Ihm und fragen, ob es mit ihm zusammenhängt und ob es Sein Auftrag war. Dann nach dem Typen suchen, der die Papiere gestohlen hat, oder herausfinden, wer der Kerl ist.“ Elvira zog die Augenbrauen hoch. „Das ist der gesamte Plan?“ Ihre Stimme klang ungläubig. „Du kennst mich, ich arbeite meine Pläne immer erst auf dem Weg aus.“ „Das ist aber nicht gut. Das nennt man schlechte Planung.“ Elvira schüttelte den Kopf. Côte hatte sich kein bisschen geändert, seit sie aus dem Team ausgestiegen war. Elvira zog ihre kleine Wasserflasche aus dem Mantel und nahm einen Schluck. „Also bleiben wir heute Nacht hier?“ „Nein, in der Nacht kann man heutzutage am besten Reisen. Wohin denkst du?“ Erschöpft seufzte Elvira und stemmte sich hoch. Dann griff sie nach dem Kerzenständer und bot die andere Hand Côte an, der sie ausschlug. Nicht weil er unhöflich sein wollte, sondern weil das seine Art war. Er klopfte den Dreck an seiner Hose ab und schnallte seine Vorräte wieder an den Gürtel. „Kriege ich die Kerze?“, fragte Côte und steckte die Hand aus. Elvira runzelte die Stirn und schüttelte ihren Kopf. „Nein, ich kenne den Weg immer noch.“ „Ach ja, dein gutes Gedächtnis. Das habe ich ganz vergessen.“ Elvira lief los, ohne darauf zu achten, ob Côte hinter ihr ist. „Machst du eigentlich noch manchmal was mit Tonan?“, flüsterte sie. „Ich treffe ihn öfters, aber geschäftlich, nein. Kurz nachdem du ausgestiegen bist, ist er auch gegangen.“ Elvira drehte sich erstaunt um. „Wer ist denn noch gegangen?“ „Caly und Zoé, aber von dem Rest habe ich keine Ahnung.“ Mit Caly und Zoé hatten die Drei ein paar Mal Aufträge erledigt. „Was haben die beiden danach gemacht?“ „Sie haben geheiratet und zwei Kinder bekommen.“ „Hast du die Beiden dann nochmal gesehen?“ „Nein.“ Côtes Stimme klang resigniert. „Leider.“, fügte er noch hinzu. „Jemand besseres als die Zwei kann man nicht finden. Wir müssen sie wieder zu uns holen.“

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