Transgender

So, heute habe ich mir mal überlegt, da viele anscheinend nicht wissen, was Transgender heißt, es mal zu erklären – sowohl auf psychischer Ebene als auch in Bildern (jaaa *.*, es wird Bildchen geben …).

Also, als allererstes: Jede Trans*-Person hat andere Erfahrungen gemacht. Ich rede jetzt nur von meinen. Wenn du irgendetwas ergänzen willst oder so, dann schreib mir doch :-).

Also, beginnen wir mit der Erklärung des Wortes Transgender. Splitten wir es auf in Trans und Gender. Gender ist das englische Wort für das „empfundene Geschlecht“, also wie man sich selber sieht. Im Gegensatz zu Sex, das auch Geschlecht heißt, aber damit

transgender-skala

Hier das Ganze noch einmal in einer „hübschen“ Zeichnung erklärt.

nur den Intimbereich umschreibt. Der Duden sagt, dass ‚Trans‘ als Wortgruppe, beziehungsweise Wortteil aus dem Lateinischen kommt und damit über-, hin-, jenseits meint. Für uns bedeutet das also, dass Trans* alles außerhalb der gesellschaftlichen Norm im Geschlechtsbereich bezeichnet – jemand, der sich zu einem anderen Geschlecht zugehörig fühlt, als in dem Geborenen. Das kann von dem ganz bekannten ‚Weiblich‘ und ‚Männlich‘ zu Bigender (man schwankt zwischen Geschlechtern) über Genderfluid (man schwankt zwischen mehr als zwei Geschlechtern) alles heißen. Deshalb benutzen viele, die über die Trans*-Community sprechen das praktische Sternchen: *, welches andeutet, dass da mehr dahintersteckt, als es den Anschein hat. – Das Cis in der Zeichnung steht im Übrigen für Cisgender und bezeichnet im „Gender-Slang“ Menschen, die in einem Geschlecht (Sex) geboren wurden und sich damit wohlfühlen.

Einer von 500 Menschen ist Transgender und da fühlt man sich schnell mal einsam – aber nur vor dem Coming-Out. Denn danach kommen Menschen auf einen zu, von denen man nie gedacht hätte, sie würden je mit solch einem Thema in Berührung kommen und erzählen einem von der Tochter eines Arbeitskollegen, die ein Transmädchen ist. – Insgesamt ist die Zeit vor dem Coming-Out sehr einsam, Nerven zerreißend und oft mit psychischen Störungen begleitet (aber nicht immer!). Deshalb entstand in der Vergangenheit fälschlicherweise der Eindruck, Transgender sei das psychische Problem. – Wenn sich jemand vor einem outet, egal ob die Person trans* ist oder schwul (oder, oder, oder), dann seid offen. Diese Person hat sicher sehr lange darüber nachgedacht, es einem zu beichten und es bringt einen ganzen Berg von Überwindung mit sich, die Worte auszusprechen: „Ich bin ein Junge“ (oder in anderen Fällen etwas anderes). Egal wie sehr ihr eventuell damit hadert, die geoutete Person hat es garantiert mindestens doppelt so schwer, damit umzugehen wie ihr. Denn euch persönlich betrifft es nicht.

Dann, als Transperson kriege ich immer wieder die Frage gestellt: „Auf welches Geschlecht stehst du denn jetzt eigentlich?“. Das lässt sich ganz einfach beantworten! Wie inzwischen jedem bekannt sein dürfte, gibt es unzählige Sexualitäten (Hetero-, Homo-, Bi-, Pan-, Poly-, Asexuell,…). Und wie jede andere Person auch, habe ich meine eigene Sexualität. Ganz wichtig zu merken: Die Sexualität hat nichts mit dem eigenen Geschlecht zu tun, rein gar nichts. Das ist quasi so, als würdet ihr einen Kollegen fragen, auf was für ein Geschlecht er denn steht. Und das ist ein bisschen unhöflich, nicht wahr?

Und nun möchte ich euch sagen, was ich tue, um in den Gesellschaftsstandard von ‚Männlich‘ hineinzupassen: Direkt bevor ich mich bei meiner Mutter geoutet habe, war ich beim Frisör und habe mir die Haare sehr kurz schneiden lassen. Denn keine Person

binder

Das bin nicht ich im Binder. Das wäre echt cool, wenn das bei mir auch so flach wäre … Link zur Seite.

nimmt einen ernst, wenn man ihr mit langen Haaren und einer Glitzerspange im Haar sagt: „Ich bin ein Junge“. Bevor ich einen Binder bekommen habe (ich erkläre gleich, was das ist), habe ich drei Sport-BHs übereinander getragen, um meine Brust abzuflachen. Davon habe ich blaue Flecken an Stellen bekommen, wo ich nicht dachte, dass das möglich sein kann. Im Sommer bin ich mit Hoodies herumgerannt, weil dadurch meine Brust flacher wirkte. Als ich dann meine Eltern dazu bringen konnte, mir einen Binder zu kaufen, haben wir ziemlich schnell festgestellt: Der kostet ganz schön was! Ab 40 € kann man etwas Abbindendes kaufen, dass die Brust flach hält und an den unmöglichen Stellen keine blauen Flecken verursacht. Nach einigem Gemurre habe ich ihn bekommen. – Dann hätte ich eine Frage: Wie viel kostet bei euch eine Passerneuerung? Nicht 500 € aufwärts möchte ich wetten. Denn soviel kostet eine Namensänderung. Auf dem Ausweis steht nicht mal das Geschlecht, guckt ruhig nach. Ich habe es schon vergeblich gesucht. Nein, nur der Name definiert, was man „in der Hose hat“. – Ich fasse also zusammen: Um in einen gesellschaftlichen Standard hineinzupassen, den ich mir garantiert nicht ausgesucht habe und ändern würde, wenn ich könnte, muss ich ziemlich viel Geld blechen (von den OPs habe ich noch gar nicht angefangen).

Zu guter Letzt möchte ich noch das Gefühl beschreiben, dass ich manchmal verspüre, wenn ich mit Cis-Leuten abhänge, die mich nicht verstehen wollen: Wut. Wie eine Bleikugel in meinem Magen liegt sie da, verschwindet nicht und dreht meine Gedanken so sehr, dass es einem Karussell in meinem Hirn gleicht. Ich möchte diesen Menschen so gerne einprügeln, wie es für mich anfühlt, bei dem falschen Pronomen genannt zu werden (offensichtlich ein NO GO), aber dafür bin ich zu anständig. Stattdessen nicke ich und trage dieses brodelnde Etwas mit mir so lange herum, bis ich bei einer verständnisvollen und meistens leider unschuldigen Person explodiere (es tut mir leid, Mama).

Ich sage nicht, dass jeder da draußen die Schuld dafür mit sich herum trägt, aber wäre unsere Regierung ein klein wenig offener, was Geschlechtsänderungen angeht, so würde sich auch die Bevölkerung anpassen.

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12 Gedanken zu “Transgender

  1. Danke für die Erklärung, Sam 🙂
    Ich schreibe für die Uni aktuell eine Hausarbeit über die Einstellung von lesbischen Paaren zur Hausarbeit und bin da heute in einem Buch auch auf das „Trans*“ gestoßen. Über Transgender weiß ich schon Bescheid, aber mich hat das Sternchen immer irritiert, konnte aber keine Erklärung finden 😀

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  2. Ein sehr gut verfasster Beitrag, der es auf den Punkt bringt, lieber Sam 🙂 Und ja, absolut, in unserer Gesellschaft sollte sich schleunigst etwas ändern, denn das ist alles, aber sicher nicht fair. Immerhin leben wir im 21. Jahrhundert da sollte man meinen, dass eine Namensänderung keine großen Probleme darstellen sollte…

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